Handelsverband erleichtert über angekündigte Wiedereröffnung – „Aber es darf nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben. Die Liquidität der Händler muss gesichert sein, Neustart darf nicht zum Rohrkrepierer werden“

Nach der Ankündigung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, den Handel bei einer stabilen Inzidenz von unter 35 möglichst zum 1.3. wieder zu öffnen, zeigt sich der Handelsverband Baden-Württemberg (HBW) erleichtert. „Für tausende Händler, die mehrere Monate zwangsgeschlossen waren, geht, wenn die Ankündigung auch wirklich umgesetzt wird, eine existenzbedrohende Durststrecke zu Ende“, sagte HBW-Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann. Die Nonfood-Händler seien damit aber noch längst nicht über den Berg. „Zum einen ist jedenfalls zu Anfang weiterhin mit sehr geringen Umsätzen und Frequenzen im stationären Handel zu rechnen. Zum anderen sind die Schäden, die durch den fast vier Monate langen Lockdown entstanden sind, immens groß.“ Durch die Umsatzverluste, die während der Schließung entstanden sind, stünden viele Händler mit dem Rücken zur Wand. „Es muss sichergestellt sein, dass der Handel über genügend Liquidität für das wieder startende Geschäft hat – sonst wird der Neustart zum Rohrkrepierer.“

Der HBW hatte in den vergangenen Wochen und Tagen mit Nachdruck und mit Verweis auf das durch Gutachten und Erkenntnisse der Berufsgenossenschaft und von Wissenschaftlern belegbare unterdurchschnittliche Infektionsgeschehen im Einzelhandel trotz geöffneter Lebensmittel- und Drogeriemärkten, darauf gedrängt, den Einzelhandel so rasch wie möglich wieder zu öffnen – unter Einhaltung strengster Hygienevorschriften.

Verbandsvertreter des HBW hatten permanent darauf hingewiesen, dass der Non-Food-Handel seit Beginn der Corona-Krise ein immenses Sonderopfer zugunsten anderer Wirtschaftsbranchen, die geöffnet bleiben dürfen, erbringe, das mittlerweile dazu beitrage, dass tausende Existenzen im Handel im Südwesten vernichtet würden.

Auch die Forderung nach klaren Aussagen von politischer Seite, wie es weitergeht, blieben ungehört – bis jetzt.

Dringend notwendig sei nun schnellstmöglich ein konkreter Zeitplan, wann wieder geöffnet werden darf. „Diese konkreten Termine müssen belastbar sein. Wenn die durchschnittliche Inzidenz erreicht ist, müssen auch die Geschäfte in den Regionen öffnen dürfen, die darüber liegen, wenn nötig unter Beachtung von höheren Vorsichtsmaßnahmen“, betont Hagmann und weiter: „An der Öffnung geht aber kein Weg mehr vorbei, wenn wir nicht eine Großzahl von Händlern verlieren wollen. Aber es ist auch klar, dass wir alle Standards einhalten, die nötig sind und uns vorgegeben werden, um den Gesundheitsschutz der Menschen zu bewahren. Der wird und darf nicht gefährdet werden.“

Um ihre Geschäfte wieder öffnen zu können, seien umfangreiche Vorarbeiten der Händler notwendig, für die schnellstmöglich ein konkreter Zeitpunkt Voraussetzung sei. Unter anderem müsse ausreichend Personal zur Verfügung stehen, um Kunden zu bedienen. Dieses müsse organisiert werden.

Dennoch stellt der HBW klar:

„Wir danken der gesamten Landesregierung und allen, die unsere Existenznöte erkannt und unsere Forderungen unterstützt haben, sehr dafür, dass sie unsere verzweifelten Rufe gehört haben.“

Der HBW pocht jedoch weiterhin auf Entschädigungen für die immensen Umsatzverluste, die der Nonfood-Handel unverschuldet hinnehmen musste und muss.

Die entsprechenden weiteren Bemühungen seitens der Wirtschaftsministerin habe man sehr positiv aufgenommen. Auch der Ministerpräsident will sich samt Landesregierung den Themen fiktiver Unternehmerlohn und der Einstiegsgrenze von 30 Prozent erneut annehmen.

„Hoffen wir nun, dass es so kommt, dass der Handel mit seinen zehntausenden an Mitarbeitern wieder auf die Beine kommt!“

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