M+E-Arbeitgeber sichern Jobs trotz Krise – aber die Beschäftigungsbrücke ist endlich

Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen belegen, dass es den Unternehmen der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie trotz massiver Umsatzeinbrüche gelungen ist, die Zahl ihrer Beschäftigten weitgehend zu halten. Dies bestätigen auch die Ergebnisse des NORDRADAR, einer quartalsweisen Erhebung zu Konjunktur und Beschäftigung der Branche in Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und dem nordwestlichen Niedersachsen durch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). So ist der Umsatz der norddeutschen Metall- und Elektrounternehmen im zweiten Quartal 2020 zwar um rund 30 Prozent gesunken, die Zahl der Beschäftigten ist mit durchschnittlich 284.331 Mitarbeitern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jedoch nahezu unverändert (minus 0,1 Prozent). Vor allem durch den Einsatz von Kurzarbeit ist es den M+E-Arbeitgebern gelungen, das Beschäftigungsniveau vorerst konstant zu halten. Die Einkommenseinbußen infolge von Kurzarbeit betrugen im Schnitt lediglich 7,5 Prozent.

„Bei drastischsten Umsatzeinbrüchen ist die Beschäftigung weitgehend stabil geblieben, und die Einkommen sind nur ein Viertel so stark zurückgegangen wie die Erlöse – das zeigt, dass die Firmen versuchen, ihr Personal zu halten, so gut es geht, und insofern in dieser schweren Krise absolut verantwortlich“, betont Dr. Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände NORDMETALL und AGV NORD.

Kurzarbeit bleibt das Mittel der Wahl. Rund die Hälfte der norddeutschen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie nutzt dieses arbeitsmarktpolitische Instrument für rund die Hälfte ihrer Belegschaften. Die Mehrheit von ihnen wird es mindestens bis Mitte 2021, einzelne Sektoren wie Werften und Schiffbau sowie der Luft- und Raumfahrzeugbau sogar bis Ende 2021 benötigen. „Bisher haben Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften gemeinsam eine tragfähige Beschäftigungsbrücke gebaut. Aber auch diese ist endlich und nicht grenzenlos belastbar“, sagt Fickinger. „Am Ende braucht es neue Aufträge und zukunftsfeste Geschäftsmodelle, um den Mitarbeitern nachhaltige Beschäftigungsperspektiven bieten zu können. Dies wird umso eher gelingen, je weniger tarifliche Lasten den Betrieben aufgebürdet werden und je weniger neue Hürden ihnen der Gesetzgeber in den Weg stellt.“

Mit Verweis auf den geplanten Anspruch auf Homeoffice, die Einschränkung von befristeter Beschäftigung oder die Regulierung von Werkverträgen mahnte Fickinger: „Alles, was die Handlungsfreiheit der Unternehmen in der Krise beschneidet, gefährdet Arbeitsplätze. Das sollten all jene bedenken, die im Vorwahlkampf auf einen Publikumserfolg schielen, aber am Ende damit ihrer angestammten Klientel einen Bärendienst erweisen.“

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