Der Report erscheint jährlich und stützt sich auf die Erfahrungsberichte von rund 350 Existenzgründungsberaterinnen und -beratern aus 79 Industrie- und Handelskammern. Die Expertenbefragung lief vom 19. Januar bis zum 6. März 2026. Insgesamt liegen der Auswertung rund 200.000 Kontakte aus dem Gründungsservice zugrunde, dazu 791 ausgewertete Antworten aus einer eigenen Befragung von Gründerinnen, Gründern und jungen Unternehmen.
Warum das Gründungsinteresse steigt und die Konzepte zugleich schwächer werden
Laut DIHK hat der Anstieg des Gründungsinteresses eine wirtschaftliche Ursache. 36 Prozent der Menschen in der Gründungsberatung wollen vornehmlich aus Mangel an Erwerbsalternativen gründen – der höchste Anteil seit elf Jahren. Die DIHK führt das auf steigende Arbeitslosigkeit, unsichere Beschäftigungsperspektiven und zunehmende Insolvenzen zurück.
Die Verschiebung der Motive schlägt auf die Unterlagen durch. Nach Angaben der DIHK beobachten die Kammern in sämtlichen Bewertungskategorien eine Zunahme von Defiziten. Gründungen aus Mangel an Erwerbsalternativen gehen der Auswertung zufolge häufig mit geringerer Vorbereitung einher; genannt werden sinkende Qualitätsniveaus bei Businessplänen und teilweise hohe Ablehnungsquoten bei Förderanträgen.
Wofür die Kammern ihre Stellungnahmen im Jahr 2025 abgegeben haben
Die Stellungnahme der Kammer ist für viele Vorhaben der Zwischenschritt vor der Auszahlung. Sie begleitet einen Förderantrag zu der Stelle, die über das Geld entscheidet. Fünf Angaben des Reports zeigen, wohin diese Schriftstücke heute laufen:
- 78 Prozent aller Stellungnahmen entfallen inzwischen auf Anträge zum Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit.
- Gegenüber 2023 hat sich die Zahl dieser Stellungnahmen nach Angaben der DIHK mehr als verdoppelt.
- 13 Prozent der Stellungnahmen gehören zu Vorhaben, die den Bürgschaftsbanken vorgelegt werden.
- 8 Prozent entfallen auf Anträge bei den Landesförderbanken.
- Beim ERP-Kredit Gründung und Nachfolge (aus dem European Recovery Programme), seit dem 1. November 2024 beantragbar, steigen die Zahlen von niedrigem Niveau aus deutlich.
Künstliche Intelligenz schreibt an den Gründungsunterlagen mit
Künstliche Intelligenz taucht in der Auswertung an einer neuen Stelle auf. Die Kammern berichten, dass Gründende ihnen verstärkt mit Hilfe von KI erstellte Businesspläne vorlegen, etwa als Grundlage für die Begutachtung von Anträgen auf Gründungszuschuss. Wie ein solcher Agent im produktiven Betrieb arbeitet und wo seine Grenzen liegen, zeigt der KI-Chatbot mit Agentic Search für Webseiten.
Ein maschinell erzeugter Text löst das Problem nicht, das die Kammern beschreiben. Die beiden häufigsten Mängel liegen im kaufmännischen Teil, also in der Kalkulation und in der Finanzierungsplanung. Ein Werkzeug hilft dort nur, wenn es die Zahlen rechnet und nicht bloß die Sätze formuliert.
Was Kapitalgeber aus einem Konzept tatsächlich herauslesen
Kapitalgeber prüfen zuerst die Tragfähigkeit des Vorhabens. Der nach Angaben der DIHK bei 44 Prozent liegende Anteil bei den Finanzierungsüberlegungen wiegt schwerer als die 49 Prozent beim kaufmännischen Handwerkszeug: Kalkulationsfehler lassen sich im Gespräch nachbessern, eine fehlende Finanzierungsidee nicht. Für Anträge an Bürgschaftsbanken und Landesförderbanken kommt die Frage nach den Sicherheiten hinzu.
„Der Befund liest sich wie ein Qualitätsproblem, er ist aber ein Vorbereitungsproblem. Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, hat weder Zeit noch Budget für eine dreiwöchige Finanzplanung – gefragt wird sie trotzdem“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Was im Herbst 2026 auf die Gründungsberatung zukommt
Die nächste Auswertung der Kammern erscheint im Jahr 2027. Bis dahin bleibt der Gründungszuschuss die Förderleistung, um die sich der größte Teil der Stellungnahmen dreht. Wer im Herbst 2026 ein Vorhaben startet, sollte den kaufmännischen Teil vor dem ersten Termin fertig haben und nicht danach.
Ob die wachsende Zahl der Gründungen trägt, entscheidet sich nicht an den Anmeldungen. Sie entscheidet sich daran, wie viele der Vorhaben eine Finanzierung finden.
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