Kryptodiebstahl erreicht 3,4 Milliarden US-Dollar in einem Jahr — und verlagert sich zunehmend von der Blockchain in die physische Welt

Der Diebstahl digitaler Vermögenswerte hat eine Größenordnung erreicht, die sich mit klassischer Wirtschaftskriminalität messen lässt. Laut dem Kryptokriminalitätsbericht 2026 des Analysehauses Chainalysis wurden zwischen Januar und Anfang Dezember 2025 Kryptowerte im Gegenwert von 3,4 Milliarden US-Dollar entwendet. Damit übertrifft das Jahr alle vorherigen mit Ausnahme von 2022.

Ein einzelner Vorfall trägt einen erheblichen Teil davon: Der Angriff auf die Handelsplattform Bybit vom 21. Februar 2025 machte allein knapp 1,5 Milliarden US-Dollar aus. Für Anlegerinnen und Anleger folgt daraus eine unbequeme Konsequenz — Bestände auf einer Handelsplattform teilen deren Risiko. Wer das vermeiden will, verwahrt außerhalb des Netzes, wofür Lösungen zur Verwahrung im Cold Storage gedacht sind.

Bemerkenswert ist die Verteilung dahinter. Ein einzelner Vorfall dieser Größe prägt die Jahressumme so stark, dass sich aus ihr wenig über das allgemeine Risiko ablesen lässt — für den einzelnen Bestand zählt ohnehin, wo er liegt.

Ähnlich gelagert ist die Frage bei verzinsten Anlagen. Wo Guthaben in Protokollen arbeiten, liegt es dort und nirgends sonst — mit allen Folgen für die Verfügbarkeit.

Der Angriff verlässt die Blockchain

Die auffälligste Bewegung steckt nicht in der Gesamtsumme, sondern in der zweiten Zahlenreihe. Körperliche Übergriffe auf Besitzende erreichten in sechs Monaten mehr als die Hälfte des Vorjahreswertes. Rechnet man das Halbjahr hoch, liegt 2026 über 2025.

Der Grund ist technischer Natur: Je besser die Verwahrung außerhalb des Netzes funktioniert, desto weniger lohnt der Angriff auf Systeme — und desto eher richtet er sich gegen Personen. Sicherheitsgewinn an einer Stelle erzeugt Verlagerung an eine andere.

„Wer seine Schlüssel selbst hält, hat ein Problem weniger und ein anderes mehr. Über das zweite spricht kaum jemand, solange die erste Zahl die Schlagzeilen macht“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Warum 2022 weiterhin über 2025 liegt

Dass 2025 mit 3,4 Milliarden US-Dollar nur den zweiten Platz belegt, ist kein Zeichen von Entspannung. Die Summen hängen stark am Kursniveau: Dieselbe Menge entwendeter Werte ergibt in einem Hochkursjahr einen höheren Dollarbetrag. Aussagekräftiger als der Gesamtwert ist deshalb die Zahl der Vorfälle.

Für das erste Halbjahr 2026 wurde bereits ein Rekord von 212 Vorfällen gemeldet — bei deutlich kleineren Einzelbeträgen als beim Angriff im Februar 2025.

Was der Bericht ausweist

Nach Angaben des Analysehauses stellt sich die Lage wie folgt dar:

  • Zwischen Januar und Anfang Dezember 2025 wurden 3,4 Milliarden US-Dollar entwendet.
  • Nur das Jahr 2022 wies eine höhere Summe aus.
  • Auf den Angriff vom 21. Februar 2025 entfielen allein knapp 1,5 Milliarden US-Dollar.
  • Staatlich unterstützte Gruppen verantworteten 2,02 Milliarden US-Dollar, ein Zuwachs von 51 Prozent.
  • Körperliche Übergriffe auf Besitzende erreichten im ersten Halbjahr 2026 über 30 Millionen US-Dollar.
  • Im gesamten Jahr 2025 lag dieser Wert bei 58 Millionen US-Dollar.

Was Besitzende daraus ableiten können

Den Bericht für das laufende Jahr legt das Analysehaus voraussichtlich zu Jahresbeginn 2027 vor.

Bis dahin ergeben sich zwei praktische Folgerungen. Erstens: Bestände, die nicht gehandelt werden, gehören nicht auf eine Handelsplattform — der Februar 2025 hat gezeigt, wie schnell eine einzelne Plattform Milliardenbeträge verliert. Zweitens: Wer selbst verwahrt, sollte über die eigenen Bestände nicht öffentlich sprechen. Die zweite Zahlenreihe des Berichts beschreibt genau die Fälle, in denen jemand davon wusste. Und drittens gilt für verzinste Anlagen dasselbe Prinzip: Der Leitfaden zu Yield Farming im dezentralen Finanzwesen ordnet ein, was eine Bindung im Protokoll für die Verfügbarkeit bedeutet.

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