Die Rentenmärkte als Frühindikatoren der Erholung

Von Amundi Group CIO Pascal Blanqué und Depyty Group CIO Vincent Mortier

„Pandemie, Impfstoffentwicklung und die US-Wahlen bewegen die Märkte. Trotz alarmierender Infektionszahlen und einer zweiten Welle in Europa ist für Anleger das Glas halb voll. Die Verflechtung der drei Zyklen – Virus, Realwirtschaft und Finanzmärkte – hält an, doch mittlerweile beeinflusst das Virus – der wichtigste der drei Zyklen – Wirtschaft und Märkte weniger deutlich als zu Jahresbeginn. Wir sind inzwischen besser vorbereitet, haben die Testkapazitäten ausgebaut und können auch lokale Eindämmungsmaßnahmen durchsetzen. An den Märkten verhindern weitere Konjunkturmaßnahmen von Regierungen und Zentralbanken größere Einbrüche.


Phase 1 der Erholung: Die aktuelle Lage.

Alle Nachrichten deuten auf eine positive Konjunkturentwicklung hin, das Ende der Pandemie ist jedoch noch nicht in Sicht. Die Märkte gehen inzwischen klar von anhaltend niedrigen Zinsen ohne Inflationsdruck aus, das Umfeld ist entsprechend günstig. Zwar könnte uns in den kommenden Monaten zunächst eine Deflation bevorstehen, doch die Wirtschaft wächst wieder – vor allem dank China, das seine Bedeutung als globaler Wachstumsmotor weiter ausbaut, und anderen asiatischen Volkswirtschaften. Aktien, Unternehmensanleihen sowie Staatsanleihen aus der europäischen Peripherie profitieren von diesem Umfeld, am Markt für Staatsanleihen steigt jedoch die Volatilität (Kursschwankungen): Die Rendite auf US-Staatsanleihen ist seit Ende September geringfügig von 0,65% auf rund 0,8% gestiegen (per 26. Oktober). Wie erwartet, steigt die Zinskurve langsam an und gibt damit erste Hinweise auf die nächste Phase, in der das Mantra der ewig niedrigen Zinsen auf den Prüfstand kommt. Der Rentenmarkt rechnet inzwischen mit einem Wahlsieg Bidens; auch ein neues Konjunkturprogramm gilt als wahrscheinlich und könnte Phase 2 einleiten.

Phase 2: Bevor es besser wird, muss es schlechter werden. Daher stehen uns (insbesondere bei einem Wahlsieg Bidens) aggressive staatliche Eingriffe bevor.

Für einen Aufschwung und damit eine Stärkung zyklischer Themen bis ins kommende Jahr sind das gute Vorzeichen. Aktien könnten sich in diesem Umfeld vergleichsweise besser entwickeln als Hochzins-Unternehmensanleihen, deren Risiko-/Renditeprofil bei den aktuellen Bewertungen aus unserer Sicht nicht überzeugt. Wahrscheinlich werden wir eine Verlagerung von Super-Wachstums-Aktien in zyklische und solide Value-Aktien (wertorientierte Aktien) beobachten, und auch Rohstoffe könnten von einem zyklischen Aufschwung profitieren. Ein einsatzbereiter Impfstoff wäre Teil dieser Erholung: Die Märkte rechnen ab Mitte 2021 mit einem Vakzin und einem anschließenden Wachstumsschub. Jede Verzögerung könnte jedoch zu Volatilität führen, die Pandemie würde die Märkte dann wieder in Beschlag nehmen. Investoren sollten nach unserer Auffassung darüber nachdenken, wie sie von der Rotation profitieren können, sich aber auch auf die Möglichkeit steigender Volatilität (Kursschwankungen) einstellen. Die Rentenmärkte sind die Frühindikatoren der nächsten Phase. Der Markt wird wahrscheinlich irgendwann höhere Inflation und Reflation einpreisen und damit Phase 3 einläuten.

Phase 3: Hin zu nachhaltigem Wachstum.

Als Nächstes dürften sich die Regierungen und Zentralbanken langsam von ihrer bisherigen, extrem expansiven Politik verabschieden – was schwierig werden und weitere Schritte erfordern dürfte. Die Verflechtung von Geld- und Haushaltspolitik wird weiter zunehmen, weitere Schuldenmonetarisierung zur Finanzierung der Erholung ist das wahrscheinlichste Szenario. In einigen Schwellenländern, deren Zentralbanken wenig Glaubwürdigkeit genießen, könnte die Inflation bei einer Erholung schneller steigen und auch die Rohstoffpreise in die Höhe treiben. Die Wirtschaft könnte dann überhitzen und letztlich die Inflation ankurbeln. Das aktuelle System beruht jedoch auf der Annahme permanent niedriger Zinsen und könnte aus dem Gleichgewicht geraten, die Realzinsen würden dann volatiler werden. Diese Phase könnte schwierig für die risikobehafteten Anlagen werden und eine weitere Verlagerung hin zu Value-Aktien, Rohstoffen und Sachwerten einleiten.

Der Übergang von einer Phase zur nächsten dürfte nicht linear verlaufen.

Anleger sollten sowohl auf kurz- als auch auf langfristige Themen achten, wie wir meinen. Kurzfristig geht der Wechsel von Phase 1 zu Phase 2 mit Rotationsmöglichkeiten einher (Schwellenländer-Aktien sowie zyklische und Value-Aktien). Um sich gegen Volatilität abzusichern, sollten Anleger unserer Meinung nach jedoch auch auf eine breite Streuung (Diversifikation) und sorgfältige Wertpapierauswahl achten. Langfristig haben alle drei Phasen eine gemeinsame Basis, die durch die Krise verstärkt werden sollte: steigende Verschuldung, wachsende Ungleichheit und die größere Bedeutung Chinas für Wachstum und Welthandel. Aus Anlegersicht dürfte es erneut vor allem um Qualität und Nachhaltigkeit gehen.

ESG – also die Berücksichtigung von Kriterien aus dem Bereich Umwelt (Ecology), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance) – und insbesondere die Themen Umwelt und Gesellschaft erreichen den Massenmarkt. Die Wachstumsraten einzelner Wirtschaftsräume werden wahrscheinlich auseinanderdriften. Schwellenländer mit engen Beziehungen zu China und höherer Zentralbankglaubwürdigkeit könnten unerwarteten Inflationsausschlägen eher entgegenwirken und mehr Investoren anziehen, während stärker verschuldete Länder unter Druck geraten könnten. Der Begriff „Schwellenländer“ erscheint zunehmend veraltet. Stattdessen könnten neue globale Themen entstehen, etwa die Erholung Chinas und zyklische Gewinner.

Quelleninformationen und weitere Informationen finden Sie in dem aktuellen Global Investment Views November 2020 und im Amundi Research Center.

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